Statistisches Beratungslabor
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Übersicht USBW18

Studiendesign und Zielsetzung

Das Lehrforschungsprojekt Universitätsstudie Bayernwahl 18 wird als Kooperationsstudie von drei bayerischen Universitäten (LMU München, Universität Passau und Universität Regensburg) durchgeführt. Im Rahmen dieses Lehrforschungsprojektes werden innovatives wissenschaftliches Forschen, Forschungspraxis und Lehre zusammengebracht.

Zentrales wissenschaftliches Ziel des Projektes ist die valide theoretische und methodische Bestimmung der Wechselwählerströme in Mehrparteiensystemen. Zugleich werden in weiteren Erhebungsmodulen etablierte sowie neuere Erklärungen des Wahlverhaltens empirisch überprüft.

Unser Studiendesign umfasst drei Kernmodule:

  • Eine repräsentative Telefonumfrage (CATI) mit einem angestrebten Stichprobenumfang von ca. N = 8000 
    • Vorwahlbefragung (ca. 4500 Interviews)
    • Nachwahlbefragung (ca. 3500 Interviews)
  • Eine randomisierte Exit-Poll-Umfrage in drei bayerischen Städten sowie weiteren Gemeinden in der Oberpfalz und in Niederbayern unterschiedlichen
    • a. München (ca. 6500 Interviews)
    • b. Passau und Passauer Umland
    • c. Regensburg und weiteren Gemeinden in der Oberpfalz und in Niederbayern (ca. 8000 Interviews)
  • Eine Nachwahl-Online-Panel Wahlstudie (Beginn: 15.10.2018) mit bisher 1572 Respondenten (Stand 18.10.2018, 11:47 Uhr)

Bayernweite Ergebnisse

  • Die CSU verliert im Vergleich zur Landtagswahl 2013 erheblich an die AfD (ca. 300.000 Stimmen), etwas weniger an Grüne (ca. 200.000 Stimmen) und die Freien Wähler (im Saldo ca. 100.000 Stimmen), kann aber die massive Abwanderung durch die Mobilisierung von Nichtwählern (im Saldo ca. 200.000 Stimmen) dämpfen.
  • Die SPD Wähler wandern massiv zu den Grünen (über 200.000 Stimmen), aber auch zu den Freien Wählern, den Linken und zur CSU.
  • Die Grünen sind tatsächlich die großen Profiteure der Wählerbewegungen. Sie attrahieren in großem Maßstab von CSU und SPD, und mobilisieren viele Nichtwähler.
  • Vergleicht man die Bundestagswahl 2017 und die Landtagswahl 2018 im Aggregat so zeigt sich, dass die CSU kaum verloren hat und die AfD nicht zulegen konnte. Die Wählerwanderungsanalyse demonstriert, dass unter der Oberfläche komplexe Austauschbeziehungen auftraten.
  • Die CSU gewinnt in dieser Perspektive von der AfD (ca. 80.000 Stimmen), und verliert an Nichtwähler (ca. 200.000 Stimmen), Freie Wähler (ca. 200.000 Stimmen) und Grüne (ca. 150.000 Stimmen).
  • Den Grünen gelingt es nicht nur erneut, ehemalige SPD- (ca. 200.000) und CSU-Wähler (ca. 150.000), zu gewinnen sondern auch FDP-Wähler (ca. 100.000 Stimmen) zu gewinnen.
  • Das bayerische Phänomen der Partei der Freien Wähler speist sich aus Abwanderungen von CSU (ca. 200.000 Stimmen), FDP (ca. 150.000 Stimmen) und SPD (ca. 100.000 Stimmen).


Münchener Ergebnisse

  • In München nahmen 6536 Personen an unserer Umfrage in den 16 ausgewählten Stimmbezirken teil.
  • München weist als urbane Metropole seit langem ein deutlich anderes Wahlverhalten auf, als die eher ländlichen Gebiete. Kam dies bisher der SPD zugute, so hat sich dies mit der Landtagswahl Bayern nun grundsätzlich geändert. Die Grünen lösen die SPD als urbane Oppositionspartei ab.
  • Die Schätzung der Wählerwanderung von der Landtagswahl 2013 zur Landtagswahl 2018 in München zeigt, dass hier die stärksten Wählerströme von der SPD zu den Grünen (ca. 92.500), von der CSU zu den Grünen (ca. 32.000) und von der CSU zur AfD (ca. 20.200) gehen. Der deutliche Übergang von der SPD zu den Grünen kommt auch darin zum Ausdruck, dass fasst die Hälfte (ca. 45.2%) der aktuellen Grünenwähler von der SPD kommt.
  • Der Vergleich zur Bundestagswahl 2013 zeigt: Die Grünen können aber auch eine beachtliche Anzahl von Stimmen von der CSU (29.800), der FDP (19.200) und den Linken (18.800) gewinnen. Die Afd hat leicht an Stimmen verloren. Sie hat im Saldo ca. 8000 Stimmen an die CSU verloren.


Passauer Ergebnisse

In zehn zufällig gezogenen Passauer Stimmbezirken nahmen über 60% der Wähler an der Nachwahlbefragung teil. Die Kernergebnisse sind:

  • Die CSU verliert Wähler an fast alle Parteien. 9,3% der CSU-Wähler in 2013 haben in 2018 die Grünen gewählt, 9,7% die AfD, 7,6% die FW und 6,1% die FDP.
  • Auch die SPD, FDP und die Linke haben an die Grünen Wähler verloren (jeweils 22,1%, 20,0% und 18,2%, also in etwa jeden fünften Ihrer Wähler von 2013).
  • Die größte Loyalität weisen in der Stadt Passau die Wähler der Grünen auf: 74,2% der Grünen-Wähler von 2013 haben diese erneut gewählt.
  • Die geringste Loyalität bei den Passauer Wählern hat die SPD: nur 33,5% der SPD Wähler in 2013 haben diese auch in 2018 gewählt.
  • Die AfD konnte im Vergleich zur letzten Landtagswahl die Nichtwähler am stärksten mobilisieren.
  • Die Wähler der Grünen, der AfD und der CSU sind im Vergleich zur letzten Bundestagswahl die „treuesten“: Mehr als zwei Drittel derjenigen, die 2017 für diese Parteien gestimmt haben, haben auch 2018 für diese Partei gestimmt (71,1% bei den Grünen, 69,4% bei der AfD, 66,9% bei der CSU).
  • Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 haben die FDP, die Linke und die SPD am meisten Wähler an andere Parteien bei der Landtagswahl 2018 verloren. Nur 31,9% der FDP Wähler in 2017 wählten auch 2018 diese Partei; bei der SPD beträgt dieser Anteil 35,4% und bei der Linken Partei 36,9%.

 

Regensburger Ergebnisse

In zehn zufällig gezogenen Regensburger Stimmbezirken nahmen über 70% der Wähler an der Nachwahlbefragung teil. Die Kernergebnisse sind:

  • Die CSU verliert Wähler an fast alle Parteien. 10,8% der CSU-Wähler in 2013 haben in 2018 die Grünen gewählt, 10,3% die AfD, 7,4% die FW und 6,8% die FDP.
  • Den Christsozialen ist es aber auch gelungen, die Stimmen von FDP- und Freien Wählern zu bekommen (20,6% bzw. 18%).
  • Die Grünen konnten aus fast allen politischen Lagern Wähler dazugewinnen. Am meisten von der SPD (29,7%) und der FDP (22,7%), aber auch von den Linken (18,1%) und den Freien Wählern (18%).
  • Von allen bei der Landtagswahl 2018 angetretenen Parteien konnten die Grünen im Vergleich zu 2013 die meisten Nichtwähler mobilisieren (29,2%). Aber auch der AfD (18,9%) und der CSU (16,5%) gelang dies in einem beachtlichen Ausmaß.
  • Die größte Loyalität zeigen in der Stadt Regensburg die Wähler der Grünen: mehr als drei Viertel der Wähler (76,7%) haben diese Partei bereits im Jahr 2013 gewählt. Mit deutlichem Abstand aber auch relativ hoch ist die Parteitreue der CSU- und der Linken-Wähler (60% bzw. 58,2%).
  • Eine große Wechselbereitschaft ist hingegen bei den Wählern der SPD zu sehen: lediglich 36,1% haben 2018 und 2013 diese Partei gewählt. Fast ebenso niedrig sind die Haltequoten bei den Freien Wählern (37,3) und der FDP (38,6%).
  • Drei Regensburger Parteien haben sehr treue Wähler: 72,5% der Grünen-Wähler bei der Bundestagswahl 2017 haben diese Partei auch bei der Landtagswahl 2018 in Bayern gewählt. Bei der AfD und der CSU sind diese Anteile etwas niedriger, aber immer noch sehr hoch (70,1% bzw. 67,7%).
  • Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 hat vor allem die FDP bei der Landtagswahl 2018 Wähler verloren. Lediglich etwas über ein Viertel (26,1%) der FDP-Wähler 2017 wählte auch 2018 diese Partei. Bei der SPD und der Linken beträgt dieser Anteil 40,4% bzw. 41%. Bei den Freien Wählern waren es immerhin 50,4%.

Servicebereich